Ist das das Ende vom Fotografenhandwerk?
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Ist das das Ende vom Fotografenhandwerk?

eingetragen in: Fotobusiness | 19

Es ist eine langanhaltende Diskussion: Warum sind Fotografen verpflichtet, Mitglied in der Handwerkskammer zu sein? Jetzt hat der Bund Professioneller Portraitfotografen (BPP) ein Studie vom November 2015 veröffentlicht. Fazit: Obwohl die Mitgliederzahlen in der Handwerkskammer stiegen sind die Umsätze stark eingebrochen und über 80 % können auf die Handwerkskammer verzichten.

Vorab: Johannes Mairhofen hat in seinem Blog dazu aufgerufen, sich mit einem eigenen Beitrag an der Diskussion zu der Studie zu beteiligen, was ich hiermit gerne und sehr ausführlich gemacht habe. Hier ist sein Beitrag dazu: www.einaugeistgenug.de/fotografenhandwerk/

Frustration im Fotografenhandwerk

Die Auswertung der Ergebnisse geben zu denken. Zum Zeitpunkt der Abschaffung der Meisterpflicht im Fotografenhandwerk am 1. Januar 2014 waren 4.300 Fotografen bei den Handwerkskammern registriert, Ende Juni 2015 waren es fünfmal mehr. Laut Statistik bildet aber nur fast jeder elfte Betrieb Fotografen aus. Die Gründe wegen hoher Ausbildungskosten, Terminprobleme mit der Berufsschule und Überbetriebliche Kosten sowie Mehrbelastung und schlechter Unterrichtsinhalte in den Schulen sind teilweise nachvollziehbar. Diese Probleme und Diskussionen gab es aber auch schon vor mehr als zwanzig Jahren während meiner Ausbildung zum Portrait- und Hochzeitsfotografen. Für mich nicht nachvollziehbar ist die Aussage, man will nicht seine eigene Konkurrenz ausbilden. Dann hätte man seit Jahrzehnten keine Fotografen mehr ausbilden dürfen. Das gilt dann aber auch für andere Branchen, die auf Nachwuchs angewiesen sind.

Die steigende Zahl der Fotografen schlägt sich auch im Umsatz nieder. Laut Umfrage sind 50 % der befragten Handwerksfotografen unzufrieden mit der beruflichen und wirtschaftlichen Lage. Laut BPP ist der Umsatz von 2003 bis Ende 2012 um fast 60 % eingebrochen. Tendenz weiter fallend, um so mehr auf den Markt drängen und versuchen, was vom Kuchen abzubekommen. Die steigende Zahl von Fotografen in Kassel beobachte ich seit Jahren, wenn ich mir den nordhessischen Markt anschaue. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie viele neue Namen in den Suchergebnissen und in Listen erscheinen. Egal, ob Quereinsteiger, hinzugezogene oder ausgebildete Fotografen. Ob viele davon die Fotografie nebenberuflich betreiben, schwarz arbeiten oder hauptberuflich davon leben, Mitglieder bei der Künstlersozialkasse oder in der Handwerkskammer sind, ist nicht immer nachvollziehbar. Was mir aber auffällt: einige sind nach wenigen Jahren wieder von der Fläche verschwunden.

Schwarzarbeit von Fotografen

Schwarzarbeit in der Fotobranche sorgt für Verstimmung bei den Handwerkskammermitgliedern. Mehr als 80 % der Befragten sind der Ansicht, dass die Handwerkskammern ihre Mitgliedsbetriebe nicht davor schützt. Ebenso fehlt die Unterstützung in Form von Werbemassnahmen oder Gütesiegel als Handwerksbetrieb. Es wird der fehlende Schutz für die Berufsbezeichnung (Handwerks-) Fotograf kritisiert. Durch den Wegfall des Meistertitel als Voraussetzung für die Berufsausübung kann sich jeder (Handwerks-) Fotograf nennen, auch wenn er keine Ausbildung oder Studium nachweisen kann. Heute ist den Kunden nicht mehr bewusst, dass Fotografie mal ein angesehener Handwerksberuf war und das es hier eine Qualifizierung zum Meister gab. Selbst ich merke das in regelmässigen Gesprächen, wenn man bei mir liest, dass ich Fotografenmeister bin. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen, obwohl meine Meisterprüfung gerade mal 17 Jahre her ist. Übrigens: Man kann heute noch sich zum Fotografenmeister qualifizieren und die Prüfung ablegen – ob es Sinn macht oder nur Geldvernichtung ist, steht auf einem anderen Blatt. Dafür vermisse ich eine Qualifizierungsvoraussetzung, um als Fotograf tätig sein zu können.

Das fehlende Engagement der Handwerkskammer, eine ernsthafte Fotografenvertretung zu sein, sorgt dafür, dass über 90% am liebsten heute anstatt morgen die Kammer verlassen würden. Was ich auch nachvollziehen kann. Die Mitglieder vermissen eine Gegenleistung für ihren teilweise hohen Beitrag. Dafür fällt die Handwerkskammer in verschiedenen Regionen den Fotografen in den Rücken, indem sie Fotoworkshops für andere Handwerksberuf anbietet. Der Schreiner, oder ein anderer Handwerker, kann in Seminaren der Handwerkskammer lernen, wie er seine eigenen Produkte qualitativ gut fotografieren, die Bilder bearbeiten und somit für eigne Flyer oder Webseite verwenden kann. Hier ist die Handwerkskammer gefordert, dafür zu sorgen, dass die Handwerker sich auf ihr professionelles qualitatives Können konzentrieren und für andere handwerkliche Leistung die entsprechenden Profis hinzuziehen.

Diskussion zur Zukunft des Fotografen

Der Beruf des Fotografen ist kräftig im Umbruch und das Ergebnis der Umfrage war für mich zum Teil nicht überraschend. Die digitale Fotografie hat in den vergangen zwei Jahrzehnten ihr Spuren hinterlassen, aber einige Probleme gab es schon vorher.

Wenn ich mich irgendwo vorstelle, sage ich immer, dass ich zu einer aussterbenden Art gehöre. Ich habe eine zweijährige Ausbildung zum Fotofachlaborant durchlaufen, den Beruf gibt es heute nicht mehr, er ist durch den Fotomedienlaborant ersetzt. Anschließend bin ich zwei weitere Jahre zum Portraitfotograf und Hochzeitsfotograf ausgebildet wurden. Wie oben beschrieben, ausgebildet werden nicht mehr viele. Wir waren damals (1991-1995) um die 25 Auszubildende in der Berufsschule. Weil es sich ergeben hat, konnte ich anschließend innerhalb von zwei Jahren die Qualifizierung zum Fotografenmeister ablegen. Vorteile daraus haben sich für mich wenig ergeben, vor allem weil fünf Jahre danach die Handwerksrolle novelliert wurde.

Die Abschaffung der Pflicht für den Meistertitel sehe ich mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite ärgere ich mich über die Abschaffung, schließlich habe ich viel Geld für die Ausbildung ausgegeben. Geld, was heute zurückblickend hätte besser investiert sein können. Auf der anderen Seite sind aber auch viele gute Fotografen auf den Markt gekommen, die es als Quereinsteiger erfolgreich geschafft haben. Mit der Voraussetzung zur Führung eines Meistertitels hätten diese keine Chance gehabt. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Fotografen, die einen Meistertitel tragen, aber über die Jahre nicht mehr an sich weitergearbeitet haben. Als Gütezeichen für einen gewissen Grad von Qualität, Können und Fachwissen kann man durch solche Kollegen mit dem Fotografenmeistertitel nicht verbinden. Der Titel verpflichtet aber, sich qualitativ und fachlich weiterzuentwickeln.

Das talentierte Fotografen sich einen Namen nur durch die digitale Fotografie machen konnten, kann mehr schwer einschätzen. Viele sind über die digitale Fotografie aber dazu gekommen. Die digitale Fotografie hat aber stark dazu beigetragen, dass heute mehr Fotografen auf dem Markt sind. Schließlich kann jeder mit einer digitalen Kamera fotografieren und hat das Ergebnis gleich in der Hand, kann notfalls korrigieren. Da hatten wir es schwerer und mussten warten, bis der analoge Film entwickelt war. Und wenn das Ergebnis misslungen war, musste alles wiederholt werden (gut, wenn es nur zum üben war). Aber bereits vor 20 Jahren gab es gute Fotografen, die den Beruf nebenberuflich ausübten und das eigentliche Geld mit ihrem Hauptberuf verdient haben. Fotografiert haben sie für kleines Geld. Deren Bilder durfte ich dann entwickeln.

Über die Zukunft des Fotografenberufes wird es in Zukunft kräftig Diskussionen geben. Und die selben Diskussionen, die Handwerksfotografen heftig führen, gibt es auch im Lager der freiberuflichen Fotojournalisten. Diese sind zwar nicht über eine Pflichtmitgliedschaft an eine Kammer gebunden. Aber auch hier wird kräftig gestritten, was Berufsverbände gegen den Singflug bei den Fotohonoraren und generell für Fotografen unternehmen. Hier ist das Problem, dass immer mehr Chefredaktionen oder Pressestellen wegen Sparmassnahmen auf den Einsatz von Profifotografen verzichten und schreibende Redakteure oder Mitarbeiter das Fotografieren mit übernehmen müssen. Dabei sind Fotos die Aufmacher und ein Hingucker. Um so schlechter ein Foto, um so weniger Interesse bei den Lesern. Damit gehen die Auflagen zurück, was zu weiteres Sparen antreibt. Ein Teufelskreis.

Kostendruck wird auch Einfluss nehmen auf die Qualität der Bilder. Auftraggeber, Fotobetriebe oder Agenturen wollen nur noch geringe Tagespauschalen bezahlen und Spesen gar nicht oder in geringer Höhe übernehmen. Viele davon versuchen Fotografen freiberuflich fest an sich zu binden und treiben diese damit in die Scheinselbstständigkeit mit ungewisser Zukunft. Unerfahrener Nachwuchs oder Quereinsteiger werden diese Angebote gerne der Arbeit wegen annehmen, ohne zu merken, wie sehr sie sich schädigen.

Auf die kommende Diskussionen bin ich gespannt. Als hessischer Fotografensprecher werde ich wahrscheinlich ein Teil davon sein. In der Vergangenheit habe ich bereits an ähnlichen Diskussionen teilgenommen. Ich bin der Ansicht, hier müssen alle an einen Tisch, egal ob Interessenvertretung, Berufsverband, Centralverband oder Handwerkskammer, hauptberufliche oder nebenberufliche Fotografen. Die Probleme, die vor mehr als zwanzig Jahren bereits anfingen, kann man nur gemeinsam bewältigen, wenn man will. Und nur gemeinsam kann man vielleicht den Berufstitel “Fotograf / Fotojournalist” schützen lassen.

Was denkt ihr darüber? Schreibt eure Meinung unter diesen Beitrag.

Umfrage unter Berufsfotografen

Die Berufsinitiative BPP hat im November ihre Mitglieder aufgefordert, sich an einer Umfrage zum Berufsbild zu beteiligen. Insgesamt haben sich 344 Mitgliedsbetriebe (54 % der Mitglieder) beteiligt. Zusätzlich haben die beiden Geschäftsführer Michael Belz und Wolfgang Kornfeld über ihr Unternehmen Fotowerkstatt 6000 Fotografen in Deutschland, Österreich und Schweiz angeschrieben, von denen sich 1.173 Fotografen beteiligt haben. Für die Auswertung wurden die Aussagen der 1450 Fotografen in Deutschland ausgewertet, die Mitglied in der Handwerkskammer sind. Damit kann die Umfrage als Repräsentativ eingestuft werden. Im Bereich der Portraitfotografie und Hochzeitsfotografie sind 85 % der befragten Fotografen tätig.

Das ausführliche Umfrageergebnis kann man nachlesen unter www.b-p-p.info/home/gesamtergebnis-der-handwerksumfragen

Verfolgen Karsten Socher:

Fotograf und Fotojournalist in Kassel

Klassisch-handwerklicher Fotografenmeister und Bildjournalist in Kassel - Pressefotograf | Hochzeitsfotograf | Businessfotograf | Eventfotograf | Neu: 360°-Panoramafotografie von Geschäften für Google Business View

19 Antworten

  1. Dirk Delhass
    | Antworten

    Sehr guter Artikel und Lesenswert! Ich selbst als nicht gelernter Fotograf, sehe die Zukunft immer noch sehr kritisch und mit gemischten Gefühlen für die Branche…

  2. Dirk Beichert
    | Antworten

    Es ist nicht oft, dass mal fundiert beleuchtet wird, welche Pros und Contras sich aus der Öffnung des Marktes ergeben haben. Meine persönliche Meinung (als Quereinsteiger, der seit einigen Jahren hauptberuflich als Fotograf arbeitet) in Sachen “Meisterbriefzwang” oder ähnlicher Maßnahmen ist die, dass überall, wo die Sicherheit von Menschen gefährdet sein kann, oder wo unwiederbringlich anderweitig materielle Schädigung auftreten kann, eine Zugangsbegrenzung sinnvoll ist. Der Architekt, der Arzt, der Automechaniker oder -mechatroniker, der Elektriker, der Gas-Wasser-Installateur – wegen meiner auch der Friseur – überall dort habe ich es für sinnvoll und wichtig Zugangsbeschränkungen zu haben, damit nicht jeder dahergelaufene Schrauber Unfug macht.

    In allen anderen Bereichen ist dies m.E. nicht nötig, bzw. dient nur dem Schutz einmal eroberter Pfründe, die auf andere Weise am freien Markt nicht mehr gut zu halten sind. Hier sollte die geleistete Arbeit, aktuelle Arbeitsproben, Kundenempfehlungen, Service und auch der Preis entscheiden.

    • Karsten Socher
      | Antworten

      Danke für dein Statement, dazu folgender Gedanke:
      Der Fotomarkt hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren gewandelt. Bis vor ungefähr 15 Jahren habe ich noch selber mit Chemie gearbeitet, egal ob es als angestellter Fotofachlaborant im Fachlabor oder als Fotograf war. Als Selbstständiger habe ich mein Labor abgegeben und alles außer Hause im Labor bearbeiten lassen. Viele haben die Chemie mittlerweile abgeschafft, einige Arbeiten noch mit Chemie. Das wäre nach deiner der einzige Punkt, weshalb der Meistertitel begründet wäre.

      Da ist aber auch der Punkt Arbeitssicherheit und Unfallschutz. Ein gutes Beispiel ist folgendes: Ein Fotograf – er verdient damit sein Geld und ist damit Profi – fotografiert in Kassel am Bahnhof. Durch eine unsachgemäße Vorgehensweise hat er den Bahnbetrieb stillgelegt. Ein Stromkabel war runtergefallen, hat genau auf einem ICE einen Kurzschluss verursacht. Im Zug saßen 400 Fahrgäste stundenlang fest, der Bahnverkehr in Nord-Süd wurde schwer beeinträchtigt. Das kann zwar auch einem Meister passieren – wir sind alle nur Menschen – aber wäre das nicht ein Grund zu sagen, der Beruf des Fotografen darf nur unter Auflagen ausgeübt werden? Die Story kann man hier nachlesen –> http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bahn-oberleitung-in-kassel-stuerzt-wegen-fotograf-auf-ice-a-985824.html

      Viele Berufsanfänger vernachlässigen am Anfang die Versicherungen. Haftpflicht, Rechtsschutz, etc. wäre es nicht sinnvoll zu überlegen, dass wer sich generell selbstständig machen will, darf dass nur, wenn er diese Versicherungen nachweisen kann? Ähnlich wie beim Auto, welches nur bei einer Versicherungskarte angemeldet werden kann. Unfall ist bei Fotografen über die Pflichtmitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft abgesichert und das ist gut so.

  3. […] Ich beschäftige mich auf meinem Blog hauptsächlich mit der Präsentation meiner eigenen Fotografie. Das können aktuelle Aufnahmen sein oder Material aus dem Archiv, was demnächst hier öfters vorkommen wird. Auf meiner Platte sind noch einige Bilder, die liegen geblieben sind, weil mir die regelmäßige Zeit für den Blog gefehlt hat. Mit meinen Blogbeiträgen versuche ich, soweit ich kann und darf, einen Blick hinter die Kulissen und den Fotografenalltag zu geben. Ein Beispiel dafür ist meine Fotoausstellung “documenta-Stadt Kassel”, die ich im Januar im Rahmen des ersten Kasseler Kulturfestival “Stage Sharing” hatte. Zusätzlich ist in Planung, das ich mehr Tipps und Tricks zur Fotografie und Bildbearbeitung gebe. In 25 Jahren Fotografie hat sich viel Wissen angesammelt. Zu gewissen Themen gebe ich auch meine Meinung wieder, wie vorkurzem zur Diskussion um die Handwerkskammer. […]

  4. Dieter Fröhling
    | Antworten

    Den unaufhaltsamen Aufstieg des “FC Kostendruck” habe ich als freier Mitarbeiter einer Werbezeitung in den Neunzigern mitbekommen. Um 2002 nochmal im Einsatz dafür und gesehen wie wenig dafür im Budget war. Inzwischen habe ich den Eindruck für mich, in diesem Markt als Fotograf bestehen zu können (Bodenseeregion) lohnt sich für mich keinesfalls. Dann eben als Hobbyfotograf, der durchaus den “Profi sprich Zeitungsmensch” inhaltlich das Wasser reichen kann. Aber was solls. Die wollen doch unter dem Foto “fkn” stehen haben. Hatte ein kleines Intermezzo als EDV Händler. Inkl. IHK…. Dem Kleinen bieten sie etwas was der monatliche Umsatz nicht bezahlen könnte. Und dann wenn man es brauchen könnte, nee.

    Kann es gut verstehen wenn so viele der Handwerkskammer den Rücken kehren wollen. “Nutzen bieten” wenn das bei der Handwerkskammer begriffen würde…

    • Karsten Socher
      | Antworten

      Danke für deinen Kommentar. Was bedeutet bei euch “fkn” – kenne als Kürzel “nh” für nicht honorieren …

  5. Minya Backenköhler
    | Antworten

    Es ist wahrhaftig traurig, das zu lesen. Meine Tante war Fotografin, richtig mit Ausbildung und allem, hat jahrelang gutes Geld verdient und ist am Ende Taxe gefahren, bis sie mit 73 gestorben ist. Die Sparerei der Auftraggeber und zum Schluß die digitale Revolution haben ihren Job obsolet gemacht.
    Viele Arbeiten werden heute nicht von Quereinsteigern, oder Nebenverdienern erledigt, sondern ganz einfach von einem Freund, oder einer Freundin. Schon weil es so einfach geht heute. An etwas ähnlichem ist auch die Industriefilmbranche zu Grunde gegangen. Weil, der Mayer aus der Registratur, der hat doch so eine Videokamera. Viele Filme heute, ob Werbung, oder Imagefilme, werden heute von Studenten gedreht. Die Kosten nichts bis wenig.

  6. Dieter Fröhling
    | Antworten

    Achso. “fkn” Foto kostet nichts – war dann die Unterzeile beim Foto wenn kein Honorar zu zahlen war.

  7. Kai Niebergall
    | Antworten

    … und welche Chance haben wir, etwas dagegen zu tun?

    Man sollte vielleicht mal eine Eingabe beim Bundestag machen, dass man eher den Hobby- und Nebenerwerbsfotografen eine Zahlung auferlegt, als denen, die davon leben müssen und von denen eben immer mehr aufgeben.

    Ich habe gehe davon aus, dass ich noch eine Zukunft habe bzw. noch meinen Lebensunterhalt von der Fotografie bestreiten kann, aber auch nur, weil ich ein großes Studio habe und viele weitere Dienstleistungen anbiete, von Abzügen, Fotos auf Leinwand oder Fototassen, Bildbearbeitung und Restaurierung, Entwickeln / Scannen / Digitalisieren von Filmen und Dias sowie Einladungs- und Danksagungskarten und, und, und.

  8. Torsten
    | Antworten

    Der Artikel ist sehr interessant und ich kann da in vielen Punkten nur zustimmen. Ich bin kein gelernter Fotograf, habe als Hobbyknipser angefangen und über unseren Fußball-Verein die Spiele unserer Mannschaften fotografiert und die Teamfotos gemacht. Unsere 1. Mannschaft spielt nun mittlerweile in der 4. Liga und alles ist professioneller geworden, auch meine Arbeit. Ich mache es immer noch nebenbei und nehme dabei niemanden etwas weg. Bei vielen Spielen sitzen auch einige Fotografen um das Spielfeld herum, bei einigen bin ich aber auch allein. Den harten Kampf um das (manchmal nicht beste) schnellste Foto kann man da hautnah erleben. Die Zeitungen wollen möglichst schnell die Bilder haben. Das bedeutet, die Fotografen verschicken schon während des Spieles ihre Bilder, auch ich mache das mittlerweile. Meine durchaus kostspielige Ausrüstung kann ich nur durch meinen Job finanzieren und durch den Verkauf der Bilder. Mittlerweile liefere ich auch an alle großen regionalen und überregionalen Zeitungen. Auch Fernsehsender nehmen gern meine Bilder, aber die zahlen am wenigsten. Für ein veröffentlichtes Bild zahlen die gerade mal 10 EUR brutto. Ein Witz! Das ist auch der Grund, weswegen ich mir das nicht hauptberuflich vorstellen kann. Wie das die hauptberuflichen Fotografen machen ist mir ein Rätsel. Ich kenne da viele, die reisen die ganze Woche in ganz Deutschland rum und fotografieren Fußballspiele um über die Runden zu kommen. Meine Bilder kommen natürlich auch unserem Verein zugute, der dadurch auch Kosten spart. Bei den wenigen Sponsoreneinnahmen ein nicht zu vernachlässigender Fakt. Wenn ich jetzt noch Versicherungen, Handwerkskammer etc zahlen müsste, würde ich das nicht mehr machen können, dann wäre das für mich ein Nullsummenspiel bzw. Verlustgeschäft. Zweiteres ist es eh schon fast geworden, denn die investierte Zeit bezahlt mir eh niemand.

    • Karsten Socher
      | Antworten

      Hallo Torsten, danke für deinen Kommentar. Mit zehn Euro haben dich die TV-Sender günstig eingekauft. Besorg dir bitte mal die aktuelle Honorarempfehlung vom MFM (Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing), kostet um die 35€ als Print oder App. Die erfassen alle Honorare jährlich und da kannst du sehen, was ein TV-Sender oder Verlag im Durchschnitt bezahlt. Wenn du das für eine Honorarverhandlung ansetzt mit dem Verweis darauf, werden die zwar nicht das geforderte aber ein unweit besseres Honorar bezahlen. Schau mal unter http://www.mfmonline.de oder beim BVPA (Bundesverband der Pressebild-Agenturen) nach. Bei Fragen kannst du dich auch jederzeit bei mir melden. Aber bitte nimm nicht mehr so niedrige Honorare an, wenn die angeboten werden.

  9. Torsten
    | Antworten

    Hallo Karsten!
    Das ging ja rasend schnell mit der Antwort … Respekt!
    Der von mir erwähnte TV-Sender (ein 3. Programm der ARD) ist auch von meinen Abnehmern der einzige, der ein solch miserables Honorar zahlt. Alle anderen bewegen sich im akzeptablen Bereich, ohne die von dir erwähnte Honorarempfehlung vom MFM zu kennen. Ich werde mich damit beschäftigen. Verhandlungen mit diesem TV-Sender gab es, aber es gab dann auch immer wieder die gleichen Antworten … Kostendruck, mehr geht nicht! Dafür müsstet ihr aber mal sehen, mit welcher Technik und welchem Personalaufwand die zu den Spielen anrücken. Teilweise wird selbst in diesen Ligen schon live ausgestrahlt bzw. ins Internet gestreamt. Das aber nur bei Topspielen.
    Danke für deine Antwort und die Hinweise, die ich mir nun zu Gemüte ziehen werde.
    Torsten

    • Karsten Socher
      | Antworten

      Gern geschehen!
      Das ist eine normale Aussage. Ich weiß nicht, wie das Verhältnis unter euch Fotografen an Spielrand ist, ob Ellenbogenkampf angesagt ist oder ob ihr euch gegenseitig helft. Im letzteren Fall würde ich mit den Kollegen sprechen, ob die ähnliche Honorare angeboten bekommen. Wenn nein, dann weißt Du, dass dringend nachverhandelt werden muss. Wenn diese auch die zehn Euro bekommen, dann sprecht euch doch mal für vier Wochen ab und gebt keine Bilder mehr heraus mit dem Hinweis auf die niedrigen Honorare und das ihr aus Kostengründen nicht mehr tragen könnt. Entweder sind die Bilder so wichtig, dass der Sender diese benötigt oder er verzichtet selber darauf mit dem Nachteil, bei den Lokalen Zuschauern an Zustimmung zu verlieren.

  10. Torsten
    | Antworten

    Nochmals Danke für die schnelle Antwort! Und noch einmal möchte ich kurz darauf antworten, dann soll erst einmal gut sein.
    Das Verständnis untereinander am Spielfeldrand ist unterschiedlich. Man kennt sich, respektiert sich. Mit einigen komme ich auch gut ins Gespräch. Darunter ist auch eine Fotoagentur, die mir schon Aufträge gegeben hat, weil sie voll war und die Anreise scheute. Die zahlen aber nichts, sondern überlassen alles mir und meinen Kontakten zur Presse. Dann gibt es einige wenige, die mit Ellbogen und mehr gegeneinander arbeiten. Da gibt es teilweise ganz böse Finger, die aber in unseren Kreisen bekannt und auch verrufen sind und auch gemieden werden. Aber mit den anderen werde ich das Thema mal besprechen und diskutieren, mal sehen was dabei rauskommt 😉 Letztlich geht das aber nur, wenn alle mitmachen und nicht einige dennoch weiter an den Sender ihre Bilder schicken.
    Die Relationen bei dem Sender stimmen auch absolut nicht. Beim letzten Spiel waren die mit 2 Kameras, 7 Leuten und 3 Fahrzeugen anwesend. Auf einem Fahrzeug war noch eine Sat-Schüssel drauf, die eine Verbindung zum Funkhaus hielt. Ich möchte nicht wissen was da gekostet hat, nur dieses Spiel. Letztlich kamen dann ganze 4 Minten Zusammenfassung von der Partie auch im Fernsehen. Und mein Bild wird mit 10 EUR bezahlt … ein Witz!
    Torsten

    • Karsten Socher
      | Antworten

      Also das ganz normale geschehen am Rande. Allerdings verstehe ich nicht, warum die Agentur dir nichts bezahlen will, wenn sie deine Bilder weitergeben will. Ist das Kommission oder weil du für den verein arbeitest und dieses quasi im Rahmen deren Pressearbeit geschieht. Das andere von dir beschriebene klingt nach den typischen Spiel unter Fotografen, mit denen einen kann man, mit den anderen nicht. Kenne ich zu gut.
      Wenn Du magst, schreib mir mal eine Mail, bei welchem Verein Du Fotos machst, um welchen Sender es eich handelt und ob Du eine Webseite hast bzw. ein Online-Portfolio. Habe gerade eine Idee, vielleicht kann man dir darüber helfen. Hier meine Kontaktdaten: http://www.ks-fotografie.net/KONTAKT/1

  11. Torsten
    | Antworten

    Hallo Karsten, hab dir ne Mail geschickt.
    Zu der Frage mit der Agentur … die hatten nur gefrat ob ich Zeit und Lust habe dort aktiv zu werden und das alle Erlöse mir gehören würden, ich mich aber selber um alles bemühen müsste. Die hatten die Anfrage von großen Zeitungen aber keine Zeit.
    Da ging es um einen Fußball-Bundesligsten.
    Gruß

  12. Andre Leisner
    | Antworten

    Hallo Karsten,
    das ist ein Thema, das in meinen Augen nicht nur die Fotografie betrifft, sondern alle Bereiche. Ein Elektronikmarkt hat mit einer Aussage diese Mentalität “Geiz ist….” noch geschürt und mehr noch in die Köpfe gehämmert. Heute sind sie von diesem Slogan wieder ab! Dennoch hallt diese Aussage noch durch die einzelnen Branchen. Ob der Preisdruck oder Verfall normal ist, bin ich Zwiegespalten. Ich habe einige Berufe erlernt und habe einige Preisgespräche in diesen Branchen führen müssen. Diese Gespräche kosten Energie und können einen ab und an den Nerv Kosten. In Bezug auf die Fotografie: Ich habe hohe Ansprüche an mich und meine Arbeiten. Bilde mich stetig weiter und tausche mich mit verschiedenen Fotografen aus.

    Ansässige Fotografen ob ausgebildet oder nicht, geben sich stellenweise kaum noch Mühe, sobald sie einen gewissen Strom an Kunden erhalten (nicht alle, aber einige). Da müssen sie sich weder beschweren, noch wundern, wenn junge Fotografen mit Engagement ihnen Kundschaft abgraben. Natürlich halten Handwerkskammer, GEZ und Sonstige gerne die Hände auf, bieten aber meiner Meinung nach kaum, bis keinen Mehrwert. Anstelle dieser Ellbogenmentalität und mein und dein Teller, sollte eher mehr auf Zusammenarbeit wert gelegt werden. Man kann nicht in allen Fotografiebereichen gut sein, so dass man da wertschöpfende Kooperationen möglich sind.
    Viele Grüße André

  13. Interessanter Artikel!

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